Seit vierzig Jahren ist uns in Bothfeld die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aller Begabungsfelder ein zentrales Anliegen: Soviel Erlebnis- und Lernräume wie möglich gemeinsam zu schaffen, als Menschen uns gemeinsam entwickeln zu können – das heißt für uns Inklusion. Wir haben dies mit dem sich immer wieder angepassten Modell unserer so genannten Groß- und Kleinklassen nach besten Kräften entwickelt.
Auf diesem Weg haben wir viel erreicht, an unserer Schule sind viele Persönlichkeiten gewachsen an Jahresarbeiten, in wunderbaren Theateraufführungen, in Circus- und Fahrtenprojekten, in einem vielfältigen Unterrichtsspektrum und sie alle haben die Schule mit einem sehr souveränen Förderschulabschluss, einem hochqualifizierten Abitur oder welchem Abschluss auch immer verlassen. Wir konnten und können immer wieder mit Freude erleben, wieviel mehr Bildung ist und wieviel mehr Bildung möglich ist als nur das – bei uns ja oft sehr erfolgreiche – Bestehen staatlicher Abschlussziele.
Nun haben sich in vierzig Jahren und besonders in den vergangenen 15 Jahren die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen unserer Schule deutlich verändert: Einerseits ist die Inklusion als Leitbild auch in staatlichen Vorgaben angekommen und Rahmensetzungen haben sich dadurch geändert, mal wirklich positiv, mal vielleicht eher gut gemeint. Andererseits wächst kontinuierlich die Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die mit erkennbaren Förderbedarfen – ob attestiert oder nicht – in die Schulen kommen und eines besonderen Augenmerks der Lehrenden bedürfen. Für immer mehr Kinder sind kleinere Lerngruppen hilfreich, die Möglichkeit sich mit mehreren Bezugspersonen zu entwickeln wird gerne angenommen, Vielfalt erfordert teils ganz individuelle Lernwege.
So haben wir unser Strukturmodell seit zwölf Jahren immer wieder ausprobierend und weiterentwickelnd verändert, v.a. mit dem Konzept der Nachbarschaft von Groß- und Kleinklassen, mit dem Weg einer vollinklusiven Jahrgangsbildung in einzelnen Klassen sowie vielen weiteren einzelnen Projekten und individuellen Wegen. Wir arbeiten in dieser Weise nun schon seit vielen Jahren immer wieder pädagogisch abwägend und die Situation betrachtend an der Weiterentwicklung unseres Wegs einer schönen inklusiven Schule.
Dieser gesammelte Erfahrungsschatz hat uns als Kollegium zu dem gemeinsam getroffenen Entschluss geführt, dass wir auf ein grundlegend verändertes Konzept hinarbeiten wollen, das mit den neuen ersten Klassen langsam in unsere Schule hineinwachsen soll. Es soll auf Dauer unser Prinzip von Groß- und Kleinklassen hin zu einem Modell von je zwei in sich inklusiven Parallelklassen mit jeweils etwa 25 Kindern verändern. Diese Klassen werden jeweils von einem Team von zwei Klassenverantwortlichen geführt und können einen Rahmen für drei bis vier Kinder mit attestiertem Förderbedarf anbieten.
Die größten Chancen sehen wir dabei in der Möglichkeit entweder – v.a. im Hauptunterricht – im Teamteaching gemeinsam mit zwei Lehrenden mehr Kapazität für die Binnendifferenzierung zu haben oder eben auch die Kinder in Zwölfergruppen oder Gruppen ganz unterschiedlicher Größe aufteilen zu können, innerhalb der Klasse, teils aber auch im gemeinsamen Jahrgang. Auch die Situation mit Vertretungen kann so grundlegend gesicherter aufgestellt werden.
Wir wissen, dass wir damit auf neue Herausforderungen zugehen: Ein deutlich größeres Maß an gemeinsamem Unterrichten, besonders in den älteren Klassen das Zugleich von Integration der ganzen Klasse und der nötigen guten Differenzierung von sehr unterschiedlichen Lernanforderungen – all dies wird uns pädagogisch fordern. Gerade der letztgenannte Punkt ist aber auch in den jetzigen Klassen sehr deutlich angewachsen und so gibt es in Zukunft dann etwas mehr Kapazitäten und Bewusstsein, genau diese Herausforderung gut zu schaffen. Eine besondere Sorge liegt auf der erfolgreichen und hochgeschätzten Qualität der bisherigen Kleinklassen, die immer wieder als die besondere Chance eines ‚Schutzraumes‘ für diese Kinder mit besonderen Förderbedarfen benannt wird. Viel wird also für die pädagogische Qualität unseres weiteren Wegs davon abhängen, wie geschickt wir solche Schutzräume in unserem neuen Konzept entwickeln können. Das neue Konzept ist also eine Grundrichtung, die wir ansteuern, wir werden weiterhin stetig den pädagogischen Erfolg unseres sich langsam verändernden Organisationsrahmens reflektieren und diesen ggf. korrigierend anpassen. Von diesem sich auch im Gespräch mit der ganzen Schulgemeinschaft entwickelnden Weg werden wir regelmäßig berichten.
Es zeigt sich immer deutlicher, dass ganz entsprechend große pädagogische Herausforderungen auch im bisherigen Weg bestehen und wir glauben, dass wir mit dem neu angesteuerten Konzept besser den aktuellen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden können.
So möchten wir auf unser von Gründung an verfolgtes Bothfelder Ziel einer lebensfreudigen, sich entwickelnden schönen Schule in zeitgemäßer Weise zusteuern und laden Sie alle als Schulgemeinschaft herzlich dazu ein, mit uns auf diesem Weg voranzugehen.

